• Gestern waren mal wieder die öffentlich-rechtlichen Tatortreiniger unterwegs... Schulhofmassaker, Geiselnahmen, Kopf-ab-Videos, nichts wie die Pegida in Trevira, vom MDR bis Al-Dschazira! Ehrlich, liebe Leser, so viel religiöse Innerlichkeit wollte ich in den Kalender gar nicht hineinlassen. Der Katholikenmulla Wolfgang Thierse brummte in sein Kinnfell, gegen die 15.000 Antiislamisten in Dresden stünden ja wohl 15.000 Besucher des Arsch-huh-Konzerts in Köln auf, letztere ließen sich selbst von Niedecken, Karnevalsjecken und Kölschflecken nicht abschrecken. Soviel Betroffenheitsforschung wie bei dem Mordbuben und wohl auch Vergewaltiger von Sydney gab's ja nicht mal unter Derrick, von Taz bis Bild rätselt alles über die unerklärlichen "Motive des Täters". Reichten die arabischen Spruchbänder, die Anlieferung einer IS-Fahne und das Vorstrafenregister nicht? Und das Allerschönste ist noch, wenn es heißt, die vom IS angeworbenen Pickeljünglinge aus Gelsenkirchen müssten leider Selbstmordattentäter werden, sie hätten bei uns gar keine andere Chance gekriegt, es fehle an "Willkommenskultur", diese brustklopfenden Selbstanklagen erinnern mich immerzu an die Heilige Elisabeth, deren Hauptvergnügen es war, ihre Frömmigkeit unter Beweis zu stellen, indem sie das Erbrochene und den Eiter von den Wunden Aussätziger aufschleckte. Bitteschön, soll man mich des Stammtischdiskurses zeihen, meinetwegen, aber: Schwerbewaffnete Arabellion-Bekloppte mit stinkigen Filzbärten, die marodierend aus den Garagenmoscheen kommen, zu Terror- oder Kriegsschauplätzen in aller Welt eilen und "Bildung ist Schande" predigen, diese traurigen Gestalten gehören, wenn's nach mir ginge, rechtzeitig in die Klapse und Zellenschlüssel am besten gleich in den Krater des Big Ben werfen. Was brauch ich da noch Motivforschung? "Der Islam gehört zu Deutschland" - wie bitte? die Feiertagslosung kann man als Korrupti-Präsident eines der verrotteten, kulturell abgewirtschafteten Abendländchens wie unserem gern ausgeben, ist aber nicht sinnvoller als "der Kommunismus als Lichtblick der Verheißung für die Elenden und Geknechteten". Nach 9/11, Stalin und dgl. darf man wohl erwarten, dass die Parole erstmal präzisiert wird, welche Spielart des Islam bzw. Kommunismus denn gemeint sei. Ach so? Nur die jeweils friedliche, ökologisch einwandfreie, ohne Tier- oder Menschenversuche auskommende Variante? Schon klar.

    Türchen siebzehn

    Aber unbesorgt, auch meiner Meinung nach gehört nicht jeder Turbo-Turbanist zu den Schurkenmullahs. Die Anhänger des Baha'itums haben ein auffallend entspanntes Verhältnis zur spirituellen Konkurrenz: „Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf daß sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, daß euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne..." Kein Wunder, dass die Ärmsten seit 1849/50 im Namen Mohammeds verfolgt, enteignet, gefoltert, massakriert werden, besonders im Iran, und keine der sogenannten Nichtregierungs-Organisationen von Friedensaktivisten, Klimarettern, Gaza-Flotillenkommandanten, natürlich auch keiner der allabendlich aus den Hotelzimmern mit CNN-Empfang in Krisenregionen dieser Welt kommentierenden Medienfiffis interessiert sich dafür.


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  • Hurra, zwei Drittel Kalendertürchen schon geöffnet, d. h. auch den dritten Advent hinter uns gebracht. Was ich mit den gefühlten 200 Chanukkakerzen vom Nationalfonds anfangen soll, die noch zur Verfügung stehen, weiß ich nicht, ich gruppiere immer mal 2 zusammen in einem Metallteil mit passenden Schraubenlöchern, von einem einst funktionierenden Scharnier, glaube ich, dem vom Tor der christlich-jüdisch-muslimischen Verständigung, durch das Tempelherr, Saladin und Nathan geschritten sind. Einen "richtigen" Adventskranz kriegen wir dieses Jahr als olle Glövenixe sowieso nicht. Manche regen sich ja über den Weihnachtsmann auf, weil er die Elche am klimawandelgepeinigten Nordpol zusätzlich quält, indem er sie vor den mit Geschenken überlasteten Karren spannt, andere, weil ihn der Sarottimohr mit Werkzeug zur Befriedigung sadomasochistischer Gelüste begleitet. Mir wär das ganze Brimborium sowieso egal, meine Nachbarn hängen das ganze Jahr über Kränze an ihre Türen und beten ein Leucht-Reh an, das ihre Balkonterrasse illuminiert. Der deutsche Einzelhandelsverband glaubt erst nach Sylvester an die Weihnachtsumsätze, die für das ganze Jahr die Bilanz in Aufschwung versetzen sollen, und bevor sie wieder einen Peias über den Kneipen aufhängen, der am Schluss des Karnevals verbrannt (!) wird, kraxeln noch immer zahlreiche rotgewandete Fassadenkletterer die hiesigen Regenrinnen hoch und runter, das besorgt bei uns das rostbraune Eichhörnchen mit und ohne Nuß und Mandelkern im Mäulchen!

     

    Türchen sechzehn

    Beim heutigen Symbolbild geht es nicht um christlich-jüdische Verständigung, es handelt sich um sog. Ex-voto-Tafeln. Dass Jesus Christus beschnitten war und nicht von einer Christin zur Welt gebracht wurde, ist bibelfesten Zeitgenossen bekannt. Aber St. Jude? Donnerlüttchen, oder? Ein intelligentes Rechtschreibprogramm würde zurückfragen: "Meinten Sie St. Judas?"  Dass 30 Silberlinge im Monat viel Gutes bewirken, habe ich dieses Jahr als Empfänger eines Stipendiums erfahren, wofür ich allen danke, die es ermöglicht habe. Hier aber wird von u. a. Examenskandidaten offenbar dem Hl. Judas Thaddäus gehuldigt (einem der zwölf Apostel und laut Wikipedia der "Patron des Unmöglichen"). Vielleicht geschahen die Stoßgebete bzw. klingelte der Opferstock nach durchzechter Nacht, wenige Stunden vor dem Examen, dann wären die Prüfungskandidaten ja wirklich ausweglose Fälle gewesen, um die sich nur Judas Thaddäus kümmern kann. Dieser H. hat bestimmt das erste und nach sieben Jahren Aufbaustudium und Referendariat auch das zweite Staatsexamen geschafft, vielleicht war sein Thema Einsteins Relativitätstheorie oder Hegels Rechtsphilosophie, deren Grundsatz bekanntlich lautet: "Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig." Engels meint, das müsse man als Prozess verstehen wie die ganze verdammte Dialektik, also ungefähr so, dass der monarchische Obrigkeitsstaat schon in dem Maße zu schwinden beginnt bzw. seiner "Nichtung" anheimfällt, je unvernünftiger er sich gebärdet. Denn die Kunst des Möglichen beherrscht uns allgemein so sehr, dass man sich kaum noch darauf besinnt, welch großer Prozentsatz an Unmöglichkeit die Verwirklichung manches Möglichen vereitelt! Nehmen Sie noch einen Moment draußen Platz! Murmel, murmel. Kommen Sie bitte noch mal rein, ja? Glückwunsch, bestanden.


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  • Achtung, in der untenstehenden Pyramide liegt nicht, wie üblich, der Erbauer bzw. der Pharao, der das zur Errichtung Notwendige veranlaßt hat. In diesem Fall ließ der pyramidale Herr seinen Körper in Säure und Löschkalk auflösen, weil die Feuerbestattung zu seiner Zeit noch als unchristlich galt und daher untersagt war. Sein Freund hatte gegen das seinerzeit zwischen ihnen diskutierte Projekt, sich verbrennen zu lassen, übrigens den ökologischen Einwand vorgebracht, das wäre Holzverschwendung! Aber die Nichte des Freundes des Verstorbenen hatte darauf den treffenden Schlichterspruch: Jemand, der so viele Bäume gepflanzt hat, hat wohl durchaus ein Recht auf ein bisschen Holzverschwendung...

    Türchen fünfzehn

    Was mir nicht behagt, sind die anschwellenden Forderungen nach Sterbehilfe auf Krankenschein, "Recht auf eigenen Tod" usw., als gebe es für alles und jedes, also auch auf den richtigen Zeitpunkt des Abtretens ein Privatpatienten-Privileg. Diejenigen, die ich hab sterben sehen, hätten grad in dem Moment wohl nicht unbedingt darauf bestanden, jedenfalls kam der Abschied immer ganz, ganz anders, als sie sich das früher vorgestellt hatten. Überdies steht's jedem frei, sich und andere und alles aufzugeben, das hätte ich früher nicht geglaubt: wer's will, stirbt, das ist nicht so kompliziert wie das Leben. Zeitlebens ist man andauernd damit beschäftigt, zu überlegen, was man in dem und jenem Extremfall machen tät', wie schnell ist man zum "Abgeschaltetwerden" bereit, ehe der überlegende Verstand nachkommt. Egal, zurück zu der Pyramide: das HERZ hat sich der Verstorbene ausgliedern und hier beisetzen lassen, wie einst die Eingeweide der Mumien in irgendwelchen Kanopenschreinen ausgetrocknet, der Inhalt wurde erst ruchbar, als er von Archäologen auf kleiner Flamme aufgekocht wurde (der Arzt und Erfinder Thomas Young hat das übrigens als erster gemacht, wenn ich mich recht entsinne). Wobei mir einfällt, dass ich noch keinen staatlich verordneten Spenderausweis ausgefüllt habe, ich will eigentlich "am Stück" verwesen, am liebsten in dem romantischen Grab meines Vaters, und nicht zum Ersatzteillager schwerreicher VIP-Organempfänger-Kandidaten werden. Auch da bin ich nachdenklicher geworden, immerhin geh ich Blutspenden und meine Stammzellen kann auch jeder haben, der dumm fragt. Unbehaglich wäre mir, wie der tapfere General Moreau bestattet zu werden. Nachdem ihn der Zar aus dem amerikanischen Exil zurückgeholt hat, wohin ihn Napoleon verbannt hatte, und er sich an die Spitze der deutschen Freiwilligenkorps setzte, traf ihn auf der Räcknitzhöhe bei Dresden, grade als er mit dem Zaren verhandelte, eine Kanonenkugel, er wurde amputiert, wobei er Zigarren rauchte, und starb ein paar Tage später im böhmischen Laun. Seine Beine sind auf der Räcknitzhöhe beigesetzt, der Leichnam in Sankt Petersburg, das Herz in der letzten Ruhestätte seiner Frau auf dem Karthäuserfriedhof in Bordeaux, wo sich auch das Grab von Delacroix befindet. Das wird ein ziemliches Suchen und Herumkramen am Jüngsten Tag, wenn die Posaune der Freiheit ertönt and the bones are going to rock around...


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  • Die christsozialistische Einheitspartei Bayerns (CSU) hat ihren Fortschrittswillen einmal mehr unter Beweis gestellt, indem sie gefordert hat, Migranten, Asylanten und ähnliche Bevölkerungsgruppen auf -anten (Simulanten, Sündpathisanten, Patentanten und deren Verwandten) mögen angehalten werden, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern gerade auch zuhause im Familienkreis Deutsch zu sprechen. Deutsch und deutlich! hieß der ähnliche, seit Tausend Jahren erhobene Einwand gegen akzentbehaftete Nuschler, Tuschler und Mauschler. Nachdem dieser Leitantrag an den CSU-Parteitag in letzter Sekunde wieder verwässert, dafür aber ein zur Flüchtlingsunterkunft destiniertes Wohnhaus in Oberfranken verfeuert wurden, wäre zu überlegen, ob nicht in Deutsch-für-Ausländer-Kursen zuallererst Brandschutz-Kommandos durchzunehmen sind. Ein Ruf wie "Alles raus!", den Aleksandr Kulisiewicz bei seinem Aufenthalt in Sachsenhausen hörte und am Ende seines Jüdischen Totengesangs mit dem Wohlklang einer SS-Befehlshaberstimme intoniert, sollte zum festen Vokabular jedes mehr oder minder freiwilligen Deutschlandreisenden gehören.

    Türchen vierzehn

    Mich erinnerte die Diskussion an die alle paar Jahre wieder aufgekochte Forderung von Heinz-Rudolf Kunze ("Dein ist mein ganzes Herz") nach einer Quote für deutschsprachige Schlagermusik in Rundfunkanstalten. Bitter nötig, denn die hiesige Urbevölkerung bevorzugt noch immer Negermusik und tut sich ja selber schwer im Gebrauch der deutschen Sprache, weshalb man während des Krieges von 1870/71 ein Bußgeldsystem in Berliner Sal..., äh, Gesellschaftsabenden eingeführt hat (für die Verwendung jedes französischen Ausdrucks wanderte ein Bußgroschen ins Schweinderl). Jener sprachpolitische CSU-Antrag, den seine Erfinder jetzt herunterspielen, wird uns noch lange beschäftigen! Er wird ebenso wenig Episode bleiben wie der Herzenswunsch der Autofahrer, die besonders in München umzingelt sind von mautfordernden Österreichern und Italienern. Sie sehnen sich nach Vergeltung in Gestalt einer Maut auf die von Zwangsarbeitern gepflasterten "deutschen" Autobahnen, die nun bald Realität wird - hundert Jahre nach Entfesselung eines Weltkriegs, als erstmals deutsche Panzer über die seit Römerzeiten mautfreie "Via Belgica" rollten, um nach Frankreich zu gelangen. Die schiere Absurdität verbürgt den Erfolg der Schikanen gegen alle, die an Deutschlands Grenzen zu wohnen sich erfrechen, oder sie gar zu überschreiten trachten. Willkommen in der Zukunft, die wir vergeblich hinter uns ließen!


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  • Am Barbarossaplatz hat der erste vegane Supermarkt eröffnet. Also nicht mal in der Südstadt oder im Studentenviertel, sondern an einem Umsteige-Verkehrsknotenpunkt unweit der Innenstadt, mitten im Büroviertel. Betritt ein Carnivore den Laden nach Feierabend mit Aktentasche, Gürtel am Hosenbund oder Halblederschuhen, dann hebt die Verkäuferin (sie hat Plastiktreter aus chinesischen Folterkindergärten oder Elfenstiefel aus Bast und Orchideenblättern an den Schweißmauken) schon die Brauen. Andererseits ist es der einzige Laden, wo man laktosefreie Adventskalender kaufen kann! Jetzt erheben sich schon kritische Fragen: Hä? Laktosefrei ist doch praktisch jeder Kalender, der vorliegende auch? Schon recht, aber richtige, dreidimensionale, hinterrücks mit Süßkram gefüllte sind gemeint, die Füllung kann Spuren von Schokolade, Nüssen, Mandeln, Sesam, und leider auch von Milch enthalten. Eine englische Firma schafft Abhilfe, aber die einzigen zwei Modelle, die sie anbietet, zeigen vorn einen knubbelnasigen Weihnachtsmann, der wahlweise Martinsgänse peta-mäßig aus dem Stall befreit (nicht der Fuchs, sondern eine Art Dachs hält die martialische Metallschere gegen die vorhängschlossbewehrte Kette) oder seinen Rentieren unterm Weihnachtsbaum vorliest, vermutlich zwei Abschnitte aus dem vierten Buch von Döblins Berlin Alexanderplatz über den Berliner Schlachthof. Macht man, wie es sich gehört, eine nach der andern die 24 Türen auf, so findet sich dahinter keineswegs Schokolade aus laktosefreier Milch, sondern je ein quadratisches, aus Sojaextrakt mit Chemie zusammengepapptes Icon, dessen allmorgendliche Errätselung ein bisschen wie Bleigießen zu Sylvester ist...

    Türchen dreizehn

    Neulich war's beispielsweise das obenstehende Symbolbild, es lag genau in dieser Anordnung hinter dem elften Türchen. Hin und her haben wir überlegt, ob das jetzt ein Wasserkran sein soll (mein Vorschlag) oder das kugelige Haupt eines Schneemanns mit Zylinder und Schal (meine Lebensabschnittsgefährtin - nein, der Fleck in der Mitte der Kugel ist kein Monokel, da gab es etwas Abrieb auf der Scanner-Glasfläche, als ich den Deckel zu dynamisch daraufwarf) - , aber wieso sollte man in christlicher Vorfeiertagslaune ans Händewaschen denken, Katholiken haben was gegen übertriebenen Körperkult, oder als Atheist einen Schneemann auf die Guillotine schicken, zum Ausmerzen der Konterrevolution muss man doch nur das sozialistische Tauwetter abwarten? Bei Drehen des Quadrats um 90° nach rechts erschien das Dargestellte als Kurbel am Leierkasten (schon jetzt wirkt es wie die Kurbel an der Kaffemühle), bei 90° nach links ließ sich mit knapper Not ein Ungeheuer identifizieren, das gerade an der Wasseroberfläche von Loch Ness aufgetaucht ist und den Hals reckt. Wenn einem meine Kommentare hier auf den Seiten unverständlich vorkommen, muss man genauso vorgehen. Ganz wie in der mittelalterlichen Theologie, Interpretation im vierfachen Schriftsinn: Wörtlich, typologisch, tropologisch, anagogisch - kippt einfach den Bildschirm links, kopfüber, konsequent alles um 360° - dann kapiert man's gleich besser!


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