• #24: Weihnachtsretourkutschen

    Der Heiligmorgen näherte sich rasend schnell, mir kommt es vor, als wär's erst gestern gewesen, dass ich das erste Türchen habe aufgehen sehen bei jeweils Dresdner-Essenz- und Merry-Christmas!-Würz-Kalender. Auch dieser heiligste aller Adventstage, den die Christen mit Baumschmücken, Bescherung und Bibellesung enden lassen, ist jetzt schon wieder ein paar Tage her, Festbraten und Alkohole sind verstoffwechselt (süßer die Spülkästen nie klingen), das Tannengrün am Adventskranz rieselte auf und davon und die Adventskalender liegen ausgeweidet im Mülleimer. Zuletzt gaben sie übrigens her #24: Nimm dir Zeit für dich! Reichaltige Feuchtigkeitscreme für trockene Hände,Aufkleber am Kuvertschlitz erlaubt das Öffnen Naturkosmetik mit Liebe gemacht aus Pistazien und Bio-Sheabutter und Ende der Kalenderära 2019 im Papiermüllcontainer#24: Fleur de sel - Meersalz (nicht von der "Algave"), das allerdings auch Spuren von Erdnüssen, Sellerie, Senf und Sesam enthalten kann. Klingt wie ein raffiniertes Rezept - Schatz, was gibt's heute zum Abendbrot? vegane, zart gesalzene Sellerie-Saté in Senf-Sesam-Soße, hmmm! Aber schon heiligmittags (sonst doch erst gegen drei oder halb vier?) klingelte der Postbote bei uns, mit einem LED-blinkenden Stern am Weihnachtsmannmützchen, und kippte meiner Frau rund 15 gelb beklebte Büchersendungen in die offenen Arme. "Kriejen se all wedder retour", murmelte er op Kölsch, und begegnete den auskunftheischenden Blicken der Empfängerin mit "Steht alles jenau drauf!", eine wehende Schnapsfahne ließ nicht darauf schließen, dass diesem Mund weitere Informationen zu entlocken wären. Obwohl die Umschläge aufs vollständigste frankiert waren und keinerlei persönliche Mitteilungen enthielten, hatten die schabernackfrohen Postdiktatoren sie nicht als "Büchersendungen" akzeptiert und mir von den ca. 100 inländischen Sendungen diese hier mit Vermerk: 35 Cent Porto fehlen, zurückgeschickt (und morgen, Freitag nach Weihnachten, kommen womöglich noch mehr hier an?). Warum, warum, warum? Die gelben Mahnaufkleber gaben keine Ausfkunft, nichts war angekreuzt, aber es traf auch nichts von dem zu, was da stand. Nur einen Umschlag hatte ich versehentlich nicht frankiert, da war das Wort "BÜCHERSENDUNG" nicht mit Kugelschreiber durchkreuzt und der ab 1.1.2020 gültige BÜWA-Tarif von 1, 90 als fehlend auf die Frankierungsstelle oben rechts gekritzelt worden. Übrigens hatten sie mir eine vollfrankierte, mit Strichcode versehene USA-Sendung zurückgeliefert; sie in den Briefkasten zu werfen, war wohl keine gute idee gewesen, sonst war sie völlig untadelig. "Nimm dir Zeit für dich!" riet mir das Essenz-Orakel, und nach tiefem Nachdenken kam ich drauf: Die Umschläge waren die billigsten, die ich in einem Ein-Euro-Shop kriegen konnte, aber den Kuvertschlitzen fehlte der Aufdruck "HIER OFFEN" und "Adhäsionsverschluss". Chance auf als ÜberschriftIch hatte vage überlegt, ob ich noch "Post darf öffnen!" draufstempeln sollte. Aufkleber, der Büchersendung ohne persönliche Mitteilung verheißtAber die Zeit drängte. Und dann dachte ich mir, verdammt, es gibt eh nur noch Adhäsionsverschlüsse, und wenn ein Umschlag nicht zugetackert oder mit Schusterleim und Leukoplast zugepappt ist, sind sie alle so offen wie der Arsch des letzten Postministers, der die Privatisierung und Aufteilung der Postdienste in selbständige Firmen einleitete. Dies ist die letzte aller denkbaren Büchersendungen, ab 31.12. sind die abgeschafft, wenn "BÜCHERSENDUNG" draufgestempelt ist, gibt der Absender sein Postgeheimnis gemäß Tarifbestimmungen sowieso auf. Aber nein, das schien nicht zu genügen, und seufzend eröffnete ich die Weihnachts-Bastelwerkstatt wieder, stempelte neben die durchgestrichene "BÜCHERSENDUNG" noch einmal eine nicht durchgestrichene "BÜCHERSENDUNG" und klebte je zwei Vermerke für Post-Deppen und Zumutungs-Darsteller auf die Umschläge. Zusätzlich nagelte ich je eins dieser Klämmerchen rein, die zwar gar nicht nötig sind, zudem ein Verletzungsrisiko für besoffene Briefboten sein können, aber optisch Wiederverschließbarkeit des Umschlags signalisieren. You asked for it and you got it! Dann alles ohne Zusatz-Porto draufzutun wieder in den Briefkasten, den einen nach USA ließen wir von der K. I. Packstation scannen, natürlich gilt auch hier wie im ganzen Geltungsbereich der Bundespost die Samstagsleerung, letzte um 13.00 und jetzt liegen diese schönen Weihnachtsgeschenke nicht unterm Baum, sondern bis 27.12., 12.00, wenn sie hoffentlich abgeholt und zugestellt werden, in einem kalten, gelben Kasten herum.


  • Commentaires

    Aucun commentaire pour le moment

    Suivre le flux RSS des commentaires


    Ajouter un commentaire

    Nom / Pseudo :

    E-mail (facultatif) :

    Site Web (facultatif) :

    Commentaire :