• # 17: Dill

    Na bitte, auf der Zielgeraden erinnern sich Salz nebst Pfeffer im mediterranen Adventskalender an die nordeuropäischen Normalo-Gewürze, in diesem Fall an den Fisch-, Gurkensalat- und Senfeier-Aufheller namens Dill. Da ich mir immer alles über RKräuter ernten verboteneime merke, Dill im Kräutersackist der Dill mir schon als Kind unsterblich in Erinnerung geblieben durch sein Reimwort "still". In James Thurbers Erzählung Das geheimnisvolle O hat ein zum Diktator geputschter Pirat namens Black (er steuerte sein Schiff, die Aeiu, an die Gestade der Insel Ooroo) den Gebrauch des ihm zutiefst verhassten Buchstabens O und alle mit ihm benannten Gegenstände verboten. Daraufhin beklagen sich nicht nur die Regisseure, die statt Opern wie Oberon nur noch Pern wie Bern aufführen können, sondern auch die Hausfrauen, die ihrerseits Gewürze wie Rosmarin, Estragon, Origano und Majoran vermissen. "Seid still, ihr habt doch Dill!" entgegnet der Diktator. Anderes Beispiel aus der Literaturgeschichte: Die Landpomeranze Dörtchen Schievelbusch, Tochter des tugendhaften Aufklärers in einem Dorf namens Plundersweilen, wird von ihrem Schöpfer, dem Bühnendichter Peter Hacks, mit dem versifizierten Lob des Krauts zitiert: "...und gereicht es nicht dem Dill zum Ruhme, dass er zierlich Frucht zu tragen weiß'?"  Und was sagt die Bibel dazu: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer", heißt es im hier schon zitierten Matthäusevangelium: "ihr Heuchler, ihr geht den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen..." Aber Merk- und Denkwürdiges über den Dill sagt auch der Prophet Jesaja: "Nicht wahr? Wenn er seine Oberfläche geebnet hat, streut er Dill und säet Kümmel und steckt Weizen und Gerste und Spelt an seinem Rand." Dill und Kümmel, eine komische Kombi, klingt nach Salafisten-Salatbeilage. "Dill wird doch nicht mit dem Schlitten gedroschen, noch über Kümmel das Wagenrad geführt, sondern Dill wird mit dem Stab und Kümmel mit dem Stocke geklopft." Die zarte, ihre Netzfingerchen wundermild verzweigende Dillpflanze mit dem Stab klopfen? Da kann ja nichts gedeihen. Kein Wunder, die fanatischen Frömmler wollen einem allen Geschmack ausklopfen und ihr stumpfes Bücken-Nicken und Dreinfinden in asketischen Verzicht aufschwatzen. Selber Heuchler!


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